Tomáš Krasňuk

02.01.1978 – 01.09.2014

 
Das Festival war gerade zu Ende, das Drehbuch sah nun den Abbau vor. In diesem Moment hat die vermeintlich berechenbare Ostsee Tomáš Krasňuk mit voller Kälte erfasst und die Strömung trug ihn hinaus, dorthin, wo wir alle tagelang sehnsüchtig und voller Freude geblickt hatten. Jetzt ist unser Blick voller Trauer und Fragen. Tomáš war Teil des kreativen Teams, die mit ihren goldenen Händen Holz verzaubern konnten. Er hat dem Festival mit den anderen zusammen diesen verspielt künstlerischen Anstrich gegeben, der sagt, mich bekommt ihr nicht, ich werde nicht erwachsen, ich gehe euch nicht ins Netz, ich erfinde die Welt selbst.
Tomáš war anders. Tomáš hat die Alternativen gelebt, die wir zwar oft als Ideale in uns tragen, aber für die umzusetzen wir zu bequem sind. Das Geld war ihm zuwider. Er wollte tauschen. Er wollte seine Handwerkskunst gegen das tauschen, was er von uns brauchte. Er hatte Visionen und hat uns Perspektiven aufgezeigt. Er hatte den Plan im Kopf, brauchte keine Bauzeichnung, hat die Dinge zwischen seinen Fingern entstehen lassen. Er hat uns gezeigt, wie es geht, wir haben dankbar adaptiert und er hat die nächste Idee geboren.
Tomáš hatte Ziele in Berlin. Er war noch nicht fertig mit dieser Stadt, wollte die Verrücktheit der Berliner Clubszene einfangen und ihr seine unermessliche Kraft anbieten. Er hatte diese seltene Gabe, die Kunst zu Gegenständen werden zu lassen, die durch ihn einen hohen Wert an Ästhetik und Gebrauch erhielten. Er wollte Freiräume mit seinen Ideen besetzen und unsere Gruppe einbinden. Er hatte vor, Brücken zu bauen und die Gruppe darüber zu leiten.
Das Meer hat ihn uns genommen und ich bin mir nicht sicher, ob ich mir erlauben darf, bei all der Trauer und der unbeschreiblichen Wut den Blick nach vorne zu richten und das, was wir von Tomáš bekommen haben, für uns zu nutzen. Wir leben in einer Kultur, die den Tod als den schlimmsten Bruch in der Biografie sieht. Da die meisten von uns jedoch anders ticken, erlaube ich mir, meine Gedanken hier zu formulieren:
Tomáš ist nicht tot, nicht in unserem Sinne. Seine Kraft und seine Liebe, selbst die Moleküle, die ihn existent machten, sind noch da. Wir atmen sie gerade in diesem Moment und wir müssen nur die Hülle dessen loslassen, was diesen Menschen ausgemacht hat. Alles andere halten wir fest und werden ihn weiter leben lassen in uns.
Wave for peace.
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